Wann ist eine Abklärung angezeigt?

Eine logopädische Abklärung ist dann angezeigt, wenn ein Kind in einem oder mehreren der unten genannten Bereiche auffällt und/oder wenn sich die Eltern Sorgen bezüglich der Sprachentwicklung ihres Kindes machen.

Bei Spracherwerbsstörungen ist die Früherkennung sehr wichtig, d.h. im Alter von 2 bis 3 Jahren. Wenn ein Kind mit einer verzögerten oder auffälligen Sprachentwicklung durch eine gezielte logopädische Therapie und/oder Beratung der Bezugspersonen möglichst früh unterstützt wird, können sekundäre Probleme vermieden oder zumindest vermindert werden.

Häufig entwickeln Kinder mit einer Spracherwerbsstörung auffällige Verhaltensmuster (z.B. Aggressionen, Verweigerung der Kommunikation, Rückzugverhalten, Hyperaktivität), weil sie z.B. oft nicht verstanden werden und deshalb frustriert sind, selber Sprache schlecht verstehen oder zu oft korrigiert werden und dadurch verunsichert sind.

Oft zeigt sich auch im Spiel die verzögerte Entwicklung, z.B. dass sich das Kind nicht alleine beschäftigen kann oder Schwierigkeiten hat, mit anderen Kindern in ein Spiel zu kommen

Bei Auffälligkeiten in folgenden Bereichen ist eine logopädische Abklärung sinnvoll:

Spracherwerb
• Das Kind spricht mit 2 1/2 Jahren nur einzelne Wörter.
• Das Kind hat grosse Mühe, seine Bedürfnisse und Gedanken sprachlich mitzuteilen.
• Ein Kind zeigt Auffälligkeiten im Spracherwerb auf Grund von Wahrnehmungsproblemen im Tast-, Hör- oder Sehbereich (z.B. infolge häufiger Mittelohrentzündungen).

Sprachverständnis
• Das Kind interessiert sich mit 3 Jahren noch kaum für Geschichten, weil es den Zusammenhängen nicht folgen kann. Es versteht Anweisungen ausserhalb des alltäglichen Geschehens nicht oder nur ungenau.

Grammatik
• Das Kind spricht mit 4 Jahren grammatikalisch sehr auffällig.

Wortschatz und Wortfindung
• Das Kind hat Mühe, Dinge oder Tätigkeiten differenziert und korrekt zu benennen.

Aussprache
• Das Kind spricht schwer verständlich.
• Das Kind bildet oder verwendet im 5./6. Lebensjahr einzelne Laute oder Lautverbindungen falsch.

Mundmotorik
• Das Kind hat eine verminderte Wahrnehmung im Mundbereich, eine schlaffe Muskulatur, ein falsches Schluckmuster oder Mundatmung.

Stimme
• Das Kind fällt länger als 4 Wochen durch seine Stimme auf: z.B. durch Heiserkeit oder Näseln.

Redefluss
• Das Kind stottert.
• Das Kind spricht zu schnell und verhaspelt sich häufig.

Mehrsprachigkeit
• Das fremdsprachige Kind hat in seiner Muttersprache Probleme im Spracherwerb und macht gleichzeitig auch im Schweizerdeutschen nur geringe Fortschritte.

Schriftspracherwerb
• Das Kind hat Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Schreibens und zeigt zusätzlich noch Auffälligkeiten in der mündlichen Sprache.